Es ist, besser gesagt, es war wieder so weit: Der Webmaster Friday hat wieder eine Frage in die Runde geworfen, die im Zuge der ganzen Google Plus Diskussion aktueller nicht hätte sein können: Was ist das perfekte Netzwerk?
Bevor ich meine eigenen Worte dazu verliere, möchte ich einmal auf den ein oder anderen Beitrag der Teilnemer hinweisen.
Die Beiträge der anderen Blogger
Besonders interessant fand ich den Beitrag vom Autor des Linkbuildingblog.de, der sein eigenes soziales Netzwerk “Priends” erfunden hat. Neu war seine Idee, dass wenn ein Kontakt etwas aus einer bestimmten Kategorie von mir wissen will, diese Daten auch erst bei sich selbst für das Gegenüber freigeben muss – so nach dem Motto “Tausche meinen Beziehungsstatus gegen deinen”. Stalker hätten dann keine Chance, denn man müsste ja peinlicherweise anfragen. Außerdem schlug er vor, dass es unumgänglicher Default ist, dasss für Nicht-Kontakte nur der Name und das Profilbild sichtbar seien. Wie in der Realität eben. Und das hat mich dann doch mal kurz zum Zweifeln gebracht.
Warum teilen wir Informationen in Netzwerken mit anderen?
Ja, warum geben wir eigentlich mehr von uns preis als in der Realität? Wir machen es alle, aber hat das mal jemand hinterfragt.
Da fiel mir ein, dass ich letztens erst die Ergebnisse einer Studie zum Thema: “Warum teilen Nutzer Informationen” auf gpluseins.de gelesen hatte. Hauptgrund ist, weil die Reaktionen der anderen den Nutzern helfen, die Informationen besser zu verstehen. Das war für mich überraschend, denn aus diesem Grund blogge/tweete/was weiß ich gar nicht. Ich teile Informationen mit Leuten, die die gleichen Interessen haben, um mit diesen in Kontakt zu bleiben, weil ich unterhalten möchte und werden will und ab und zu suche ich auch Rat. Und gerade bei twitter schätze ich wie Marc von variousminds.org den Humor, die Spontanität, den Sarkasmus und die Schnelllebigkeit (ein Tweet von gestern ist heute morgen ist heute Abend nicht mehr aktuell bzw. längst in den Weiten der Timelime verflogen!) an der ganzen Sache.
Erst wenn man dem Gegenüber Informationen über sich oder seine Interessen anbietet, kann daraus Kommunikation werden, erst dann kann der Andere darauf reagieren. Anders als im echten Leben schreibt man ja nicht mal einfach jemanden nur aufgrund seines Profilbildes (Aussehen) an. Man muss dem Anderen schon was bieten, um “ins Gespräch zu kommen”.
Die zweite Idee von Pierre beruhte darauf, dass man bei “Freundschaftsschließung” erst einmal ein paar Fragen beantwortet, um zu klären, welche Informationen einen beim Anderen überhaupt interessieren, um z. B. nervige Statusupdates à la “Monika hat ihren Beziehungsstatus geändert” wie bei Facebook, die einen gar nicht interessieren, zu vermeiden. Im Prinzip ist dies ja schon bei Google Plus umgesetzt: Ich sehe, was andere teilen im Stream (und den kann ich ja dank Circles anpassen), aber nicht, was sie an ihrem Profil ändern.
Die anderen Blogger haben vorwiegend die für sie wichtigsten Features aus den einzelnen Netzwerken aufgelistet und vorgestellt, wie sie sich das alles in einem vorstellen könnten.
Der Autor von onlinelupe.de hat dazu einen Screenshot erstellt, in dem er Elemente von den unterschiedlichen Netzwerken auf einem Bild verbunden hat. Beim Fundament hat er sich an Facebook orientiert, bei der Usability eher an Google Plus.
Wie sähe das perfekte Netzwerk bei mir aus?
Dazu liste ich mal die von mir gewünschten wichtigsten Kennzeichen auf:
- Follower oder Friends gäbe es nicht zwingend beidseitig, d. h. so wie Google Plus oder twitter
- es gäbe keine Spiele
- es gäbe nur Werbung von den Produkten, die ich auch in meinem Land kaufen kann und die für mich persönlich wirklich interessant wären
- es gäbe Chat- und Telefoniemöglichkeiten (Google Plus)
- den Stream könnte ich nach Gruppen ordnen (Google Plus)
Grundsätzlich glaube ich, dass wir alle auf die selbe Idee, nämlich “picke die besten Funktionen jedes Netzwerkes und baue sie in einem zusammen” gekommen sind, weil wir alle denselben Wunsch haben: Irgendwie nur noch einen oder zwei Accounts pflegen zu müssen, sich nicht mehr überall einloggen und alle Passwörter merken zu müssen.
Ansätze um dieses Problem zu lösen, gibt es ja schon, wie z. B. MultiMe für Windows oder diverse Browser-Erweiterungen, die das Update auf zwei oder mehr Plattformen erlauben. Jedoch gibt es meines Wissens kein Tool, was die Schnittstelle zu allen Plattformen erlaubt (also z. B. auch xing). Wenn jemand ein geeignetes Toll empfehlen könnte – und zwar für den Mac – hinterlasst bitte einen Kommentar.
Gibt es “perfekt” überhaupt?
Für mich stellt sich die Frage, ob es “das” perfekte Netzwerk überhaupt gibt. Perfekt würde ja sozusagen eine Verschmelzung aller besten Funktionen bedeuten, wie ich das in meinem Vorschlag oben oder auch die anderen Blogger in ihren Beiträgen erwähnt hatten.
Meine Einschätzung ist nein. Zur Zeit hat jede der genannten Plattformen ihre Daseinsberechtigung (gut, bei xing und linkedin bin ich mir nicht so sicher) und vermutlich wird das auch in Zukunft erst einmal so bleiben. Ich denke, dass die Einführung von Google Plus nur Vorteile hatte, denn Konkurrenz belebt das Geschäft. Vermutlich wird sich jede Plattform zukünftig so spezialisieren, dass sie allein eine bestimmte Zielgruppe bedient. Ich hatte zwar vor zwei Wochen noch gedacht, dass Google Plus Facebook “platt machen” wird, aber ich glaube nicht, dass 750 Millionen oder mehr Nutzer so schnell davon wegzukriegen sind, das zeigt sich auch in meinen Circles, wo sich eher auch nur die “Geeks” dort herumtreiben. Für die Social Media Berater ist das ja auch nichts Schlechtes: Sie können sich evtl. irgendwann auf eine Plattform spezialisieren und kennen sich da eben so richtig gut aus als überall nur zu 80%.
Was meint ihr zum Thema “Das perfekte Netzwerk”? Gibt es das? Wie sähe es für euch aus? Oder ist Google Plus sogar schon euer perfektes Netzwerk?